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Himmel. Halle. Hölle.   

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Medienkunst - was war das?

Ja, was WAR das. Die digitale Revolution hat ab 2000 die Sonderarbeit und Sonderrolle des Medienkünstlers davongespült. Es gibt für jeden Künstler heute Beamer, Plasmabildschirme, Computer und das Internet. Zurück bleibt eine Buddhafigur, die meditierend vor einem Fernseher sitzt, der solange endlos eine brennende Kerze zeigt, wie das Fernsehgerät und die Abspieltechnik funktionieren. Dieses Frühwerk von Nam June Paik pointiert ansatzweise den zweiten Grund, der die Medienkunst als solche davonspülte: Sie ist technisch anspruchsvoll, zerbrechlich und schwer zu verkaufen. 

Wer Kunst verkaufen will, ist von der Kundschaft zurückgepiffen auf Originalgemälde, nichtelektrische Objekte und - mit leichtem Stirnrunzeln - Fotografie. Bitte keine Kunst mit Zeitachse, wie Film oder Hörspiel, bitte keine Kunst, die nur in abgedunkelten Räumen funktioniert; am liebsten Kunst, die auch mal schlechtes Wetter aushält.

Ausgerechnet mit einem prallen Zitieren vieler Kunstformen, im Jahr meiner Teilnahme an einem in braver Medienkunsttradition „Media Space" genannten Event, ging 2009 für mich privat die Medienkunst zu Ende. Als die Medienpflanzen sprossen, haben wir sie bestaunt und begossen. Jetzt sind sie ein Dschungel. Wir futtern sie, wir kleiden uns damit ein, sie sind in selbst nachwachsender Masse um uns, und die pure Präsenz ihrer Technik kann kein inhaltspendendes Thema mehr sein.

Das muss auch nicht sein. Spätestens ab 2009, in dem - vielleicht auch wieder nur kurz - der Schnelltratschservice „Twitter" beliebt war, drängt sich die Möglichkeit für Menschen mit Internetanschluss, aktuell zu sein, als Pionierfeld in den Vordergrund. Drängt es nach überfliegendem Handhaben moderner Erstellungs- Präsentations- und Kommunikationstechniken. Es drängt, ach ich weiß nicht wohin, aber vor allem sehe ich, wie sehr es auch zurückdrängt zu Ölbild und Skulptur. Die Medienkunst hat sich ausgedrängt und ihre schönsten Exemplare bekommen Rahmen und Datum. Hyperkino will da dabeisein.
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Bild: Infrarotvision von "Prometheus", einer klassischen Installation in Hyperkino. Eine Modepuppe breitet ihre Arme aus, hält damit eine Leinwand. Auf diese unregelmäßige Fläche wird ein echter 16-mm-Endlos-Film projiziert: Flammen zeugen im Film eine Frau, und diese wagt ihren ersten Schrei.

Wollen wir an den Haaren dieser Frau herbeiziehen, was die Installation medienkünstlerisch bedeutet? Nun, die Leinwand ist die Wirklichkeit. Unser Denken ist der Projektor. Was wir auf die Leinwand sehen, ist unsere Theorie von der Wirklichkeit.
Na bitte, hat doch geklappt. Wer bei dieser flottflüssigen Ableitung grinst, hat recht. Wer daraus einen Abituraufsatz baut: Geht auch. So ist Hyper. Das ist Kino.

  

1. "Angewandte Medientechnik", 2. "Schöne Bilder im modernen Sinn, nicht also dekorative Bilder",  3. "Party" und dann 4. "Aufschlussreiche Gedankenführung" sind ungefähr je ein Viertel des Kuchens "Hyperkino". Wir wollen hier mit Kunstinterpretation also nur zu einem Viertel punkten.